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Mit Kindern über Armut ins Gespräch kommen mit Persona Dolls

Ein Workshop-Bericht von Petra Beier | Fachstelle Kinderwelten/ISTA

Persona Dolls sind Puppen mit einer Biografie, die Kinder repräsentieren. Mit Hilfe der Persona Doll-Methode werden Lernsituationen gestaltet, in denen Kinder ermutigt und angeregt werden, ihre Gedanken zu äußern, sich in andere einzufühlen, über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit nachzudenken und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Das Ziel des Workshops war es, Interessierte mit einer Methode bekannt zu machen, die auf einzigartige Weise eine nachhaltige Wirkung bei Kindern entfaltet. Die folgende Schilderung illustriert, wie die Teilnehmenden erste Einblicke in die pädagogischen Grundlagen und Techniken der Persona Doll-Methode erhielten.

Eine bunte Mischung aus Postkarten und Fotos lag in der Mitte eines Stuhlkreises und ein Stuhl war bereits besetzt – mit der Persona Doll namens Verena. Letztere hatte eine Geschichte „mitgebracht“, in der auch das Thema Armut eine Rolle spielen sollte. Zu Beginn suchten sich alle Teilnehmenden ein Bild aus, das sie in Bezug auf das Thema anregend fanden, stellten sich vor und erzählten, was sie an den Persona Dolls interessieren würde. Dabei zeigte sich, dass die Vorkenntnisse der Gruppe sehr unterschiedlich waren. Am Ende der Kennenlernrunde wurde die Puppe Verena mit ihrer Biografie kurz vorgestellt.

Der Film „Mit Kindern ins Gespräch kommen“ gab einen Überblick zur Geschichte und zum Hintergrund der Persona Doll-Methode und regte zu weiterführenden Fragen an, die danach beantwortet wurden.

Kinderwelten 2018
Foto: Stefanie Völker

Anschließend sollte demonstriert werden, wie der praktische Einsatz einer Persona Doll aussehen kann. Zu diesem Zweck wurde ein Rollenspiel initiiert, bei dem einige Teilnehmende die vier- bis fünfjährigen Kinder einer Kitagruppe spielten, während die Referentin eine Erzieherin darstellte, die Verena zum Einsatz bringt. Die anderen Teilnehmenden wurden gebeten zu beobachten, was ihnen an der Gesprächstechnik und -führung mit der Persona Doll auffällt. Verena „erzählte“ den „Kindern“, wie sie auf dem Geburtstag ihrer Freundin von anderen Kindern beschämt und mit Worten verletzt worden sei, weil sie als Geschenk eine gebrauchte CD mitgebracht hatte. Sie schilderte, wie ihre Freundin sich daraufhin für sie eingesetzt habe. Die Teilnehmenden waren aktiv in ihren Rollen, so dass die Gesprächsrunde sehr lebendig war. Bei der Auswertung wurde mehrfach zurückgemeldet, dass die Puppe bereits in dieser simulierten Situation eine beeindruckende Wirkung habe.

Im letzten Teil des Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen mit der Frage: „Wie würdet ihr mit Kindern über ein Mädchen wie Verena sprechen? Wie würdet ihr erklären, dass Verenas Familie wenig Geld hat, ohne dass sie auf unangenehme Weise in den Mittelpunkt bzw. in eine Sonderposition geriete?“ – Aus der Fragestellung ergab sich ein sehr angeregter und interessanter Austausch. Viele Teilnehmende resümierten, dass es nicht leicht sei, respektvolle, angemessene und kindgerechte Formulierungen zu finden, die geeignet wären, mit Kindern Gespräche über Armut zu führen. Entsprechende Formulierungen müssten gut durchdacht und überlegt sein.

In der Abschlussrunde äußerten einige der Teilnehmenden u.a. den Wunsch, einen Persona Doll-Kurs zu besuchen, um die Methode selbst zu erlernen.

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