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Kinderarmut begegnen! Partizipation in der Kita als kompensatorisches Mittel

Workshop-Bericht von Daniel Frömbgen | Kindheitswissenschaftler & Freiberuflicher Fortbildner

Kinderarmut ist in Deutschland ein wachsendes Phänomen. Laut dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung leben 15,7% der Bevölkerung in armutsbelasteten Verhältnissen. Ein besonders hohes Armutsrisiko tragen dabei Familien und Kinder, schon lange sprechen Forscher*innen hier von dem Phänomen der „Infantilisierung von Armut“. Kinderarmut hat vielfältige Folgen. Die Wissenschaft spricht hier von multipler Derivation, d.h. vielfältiger Benachteiligung. Doch was bedeutet Armut für das Aufwachsen junger Kinder? Wie umfangreich sind die Folgen und in welchen Dimensionen sind sie zu finden? Welche Rolle kommt dabei Kindertageseinrichtungen zu?

Das Deutsche Kinderhilfswerk stellt im Rahmen seines Kinderreports 2012 fest, dass eine frühe Beteiligung von Kindern an strukturellen und sie betreffenden Entscheidungen im Kita-Alltag ein kompensatorisches Mittel sein kann, um Benachteiligung entgegen zu wirken und Teilhabe zu ermöglichen. In diesem Workshop beschäftigten wir uns mit verschiedenen Armutskonzepten, mit den Auswirkungen auf das Aufwachsen junger Kinder, und diskutierten die Frage: wie geeignete Beteiligungsverfahren in Kindertagesstätten praxisnah, auch für junge Kinder, umgesetzt werden können.

Ausgehend von biografischen Erfahrungen mit Armut der Teilnehmer*innen bzw. dem Bild, das wir uns als Kinder von Armut gemacht haben, wurde versucht, sich dem Thema anzunähern. Zunächst wurde zu klären, was genau „Armut“ bedeutet. Dabei wurde schnell deutlich, dass eine Definition schwer fällt und es möglich ist, sich dem Thema von verschiedenen Seiten zu nähern. Häufig kann es etwas mit dem Umfeld zu tun haben, und mit einem Gefühl, das Armut vermittelt, gekoppelt an Teilhabe- und Teilnahmechancen. Einige Teilnehmer*innen berichteten von ihren Erfahrungen aus der DDR, in denen ihnen Armut beinahe gar nicht begegnet sei. Im Folgenden haben wir uns mit verschiedenen Armutskonzepten vertraut gemacht, sowie mit dem Phänomen der „Infantilisierung der Armut“. Diese Auseinandersetzung machte deutlich, dass Kinder eine Bevölkerungsgruppe sind, die in Deutschland im Besonderen von Armut betroffen ist. Dabei haben wir geklärt, auf welchen Ebenen Kinder von Armut betroffen sind und Ausprägungen materieller, gesundheitlicher, sozialer und kultureller Dimension anhand der Ergebnisse der ISS-Studie der AWO diskutiert sowie uns über mögliche Handlungsansätze kompensatorischen Umgangs mit Armut in Kitas ausgetauscht.

Im weiteren Verlauf haben wir den Begriff der Partizipation zu klären versucht, und was die Teilnehmer*innen damit verbinden. Dabei wurde angemerkt, dass sich einige Teilnehmer*innen unsicher in der Methodik fühlten, Partizipation gerne umsetzen wollten, aber sich noch Handlungskompetenzen wünschten. Andere Teilnehmer*innen wünschten sich Begründungen und Argumente für Partizipation in Kindertagesstätten, um auch Kolleg*innen und weitere Akteure in ihrem Umfeld überzeugen zu können. Folglich wurden Begründungen und Rahmenbedingungen für Partizipation in Kindertagesstätten skizziert, rechtliche Rahmenbedingungen, Partizipation als Schlüssel zur Bildung sowie Strukturelemente des Konzeptes „Kinderstube der Demokratie“ besprochen. Auch Partizipationserfahrungen als resilienzförderndes und armutskompensatorisches Mittel wurden benannt, mit Verweis auf den Kinderreport 2012, in dem Prof. Lutz von der Universität Erfurt nachwies, dass frühe, ernstgemeinte Beteiligung in Zusammenhang mit Selbstwirksamkeitserfahrungen der Kinder den Kreislauf der Vererbung von Armut durchbrechen kann.

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