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Den eigenen Blick schärfen – klassismussensibel mit dem Anti-Bias-Ansatz

Workshop-Bericht von Nele Kontzi und Jetti Hahn | Fachstelle Kinderwelten

In dem Workshop wollten wir aufbauend auf dem Vortrag von Heike Weinbach am Vormittag pädagogischen Fachkräften Raum bieten, sich dem Thema Klassismus vertiefter anzunähern und eigene Prägungen und Normvorstellungen kritisch zu hinterfragen:

  • Kinderwelten 2018Welche Erfahrungen mit armen und reichen Menschen prägen meinen Blick?
  • Woran erkenne ich den Bildungsstand eines Menschen? Und wie wirkt sich das auf meinen Umgang aus?
  • Inwiefern spielt Klassismus in unseren Arbeitskontexten eine Rolle und wie sprechen wir darüber? Wir luden die Teilnehmenden zu einem erfahrungsorientierten Austausch und zur Reflexion der pädagogischen Arbeit ein. Ziel war es, das Zusammenwirken sozialer Herkunft mit anderen Ausgrenzungsmerkmalen und deren konkreten Auswirkungen auf Bildungschancen von Kindern besser zu erkennen.

Kinderwelten 2018

Was wurde gemacht?

Nach einer Begrüßung der Teilnehmenden starteten wir den Workshop mit der Methode „Musikstühle“, die die Gruppe nicht nur in Bewegung brachte, sondern auch in einen tieferen, persönlichen Austausch einlud: Zu Musik bewegten sich alle durch den Raum, wenn die Musik stoppte, setzten sich immer Paare auf Stühle gegenüber. Ein Satz wurde vorgelesen, im Anschluss sprach zuerst eine Person, die andere hörte nur zu. Nach einem Tonsignal, nach insgesamt 2 Minuten, wurde gewechselt. Sobald die

Musik wieder ertönte, erhoben sich alle und bewegten sich erneut durch den Raum, bis die Musik aufhörte und sich neue Paare zusammenfanden. Zu diesen Sätzen fand ein Austausch an Gedanken, Erfahrungen, Positionen statt:

  • Welchen Bildungsabschluss haben meine engsten Freunde und wo habe ich sie kennengelernt?
  • Wann habe ich das 1. Mal realisiert, dass manche Menschen mehr Geld und andere weniger Geld haben? Und wie habe ich mich dabei gefühlt?
  • Was denke ich, sind Gründe für die Ungleichheit zwischen armen Menschen und reichen Menschen?
  • Lässt sich der Bildungsstand eines Menschen an seiner Sprache erkennen?
  • Hängt der Bildungserfolg eines Menschen von seinem individuellen Engagement ab?
  • Sollte die Bezahlung für alle Pädagog*innen in Kita und Schule gleichgestellt werden?

Die Methode ermöglichte eine Annäherung an das Thema Klassismus und eigene Prägungen sowie verschiedene Erfahrungen zum Thema Kommunikation: Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen und nur eine Person reden darf, wie einigen wir uns darauf, wer anfängt? Neige ich eher dazu anzufangen oder abzuwarten? Wie fühlt es sich an, reden zu dürfen und mein Gegenüber unterbricht mich nicht? Wie ist es, nur zuzuhören? Halten wir es aus, wenn mal keiner spricht? Wann fällt es mir leicht, zuzuhören? Und wann kann ich es kaum aushalten?

Im Anschluss ging es darum, eigene Fragen zu formulieren, die aktuell und vor allem in der zukünftigen eigenen Praxis leitend sein würden für eine weitere Beschäftigung: Diese Frage bewegt mich gerade zum Thema Klassismus, Armut und Bildungsgerechtigkeit am stärksten!

Kinderwelten 2018

Zentrale Fragedimensionen waren

Kinderwelten 2018Interaktion mit Kindern: wie kann ich mit Kindern über Ungleichheiten sprechen, ohne zu beschämen? Wie kann ich selber mit den Dilemmata gesellschaftlicher Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten umgehen?

Interaktion mit Eltern/Familien: Wie kann ich mit Eltern zum Thema soziale Herkunft ins Gespräch kommen? Wie kann ich Familiensysteme unterstützen, ohne zu stigmatisieren?

Zusammenarbeit im Team: wie können wir uns im Team zum Thema Klassismus sensibilisieren? Wie aufmerksamer werden für die Verschränkung von Ungleichheiten und Ausgrenzungen (Intersektionalität)?

Mit der Methode „Etikettierung“ griffen wir die Frage nach stereotypen, einseitigen Begriffen und Zuschreibungen bezogen auf Klassismus auf und übten uns in einem genaueren, differenzierteren Blick und der Entwicklung alternativer Handlungsmöglichkeiten.

Etikett Norm Situation Alternative
bildungesfern bildungsoffen Beantragung des Berlin-Passes (BuT) Differenzierter Blick; bedarfsgerechtes Angebot
· „gebildet“
· hohe schulische &
· Berufsabschlusse
· gut situiert
· höheres Einkommen
· hohe Sprachkompetenz
· Bildung als hoher Wert
· Umsetzungskompetenz
· Bei Angeboten in der Kita von Eltern formuliert gegenüber anderen Eltern.
· Bei Angeboten an Eltern, die nur eine bestimmte Elternschaft anspricht.
Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung
Nicht Deutsch als Erstsprache Deutsch als Erstsprache Statistische Meldungen · Wertschätzung von Mehrsprachigkeit als Ressource
· Strukturen verändern!
Hartz IV Arbeit: sich selbst versorgen Beantragung von Mitteln Bedingungsloses Grundeinkommen

Zum Abschluss werden noch drei Impulse angeboten, die gut an die aufgekommenen Themen und Fragen anschlossen:

Kinderwelten 2018
Sammlung von Etiketten

Kinderwelten 2018

Referent*innen: Jetti Hahn und Nele Kontzi, beide anti-bias-netz Berlin und freie Mitarbeiterinnen für die Fachstelle Kinderwelten. Sie bieten Beratungen und Fortbildungen für Kita, Schule und andere Bildungsorte an.

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