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Armut/Klassismus in Kinderliteratur – In welchen Kinderbüchern wird Armut thematisiert?

Workshop-Bericht von Anabell Specht | Fachstelle Kinderwelten

Im Rahmen dieses Workshops tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, wie das Medium des Kinderbuchs Pädagog*innen darin unterstützen kann, mit Kindern über „Armut“ ins Gespräch zu kommen. Hierfür wurden verschiedene Kinderbücher zum Thema „Armut“ betrachtet und deren Inhalte diskutiert. Die Auswahl der Bücher wurde anhand vorurteilsbewusster Kriterien vorgenommen, die im Rahmen der Fachstelle Kinderwelten auf Basis des Ansatzes Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung formuliert worden sind. Die auf der Fachtagung präsentierten Kinderbücher ermöglichten den Teilnehmenden, sich zu identifizieren und etwas über vielfältige Lebensumstände zu lernen. Sie regten außerdem dazu an, mit jungen Menschen über Armut ins Gespräch zu kommen. Ziel dieses Workshops war es, klassistische Strukturen unserer Gesellschaft in Kinderbüchern zu erkennen und zu reflektieren sowie Anregungen für die praktische Arbeit mit Kindern zu erhalten.

Was wurde gemacht?

Der Workshop begann mit einer Vorstellungsrunde, die schnell einen hohen Bedarf an Büchern zum Thema „Armut“ deutlich machte. Nach einer Einführung in die Auswahl von Kinderbüchern nach vorurteilsbewussten Kriterien erhielten die Teilnehmenden Zeit zum Sichten, Lesen und Diskutieren der mitgebrachten Kinderbücher. Hierfür fanden sich die Teilnehmenden in Kleingruppen zusammen, um sich anschließend in großer Runde auszutauschen. Im Weiteren folgte ein kurzer Input zum Thema „Armut“ und soziale Ausgrenzung sowie zu verschiedenen Diskriminierungsformen, die damit einhergehen können, um die Vielschichtigkeit von benachteiligten Lebenslagen zu konkretisieren.

Kinderwelten 2018
Foto: Marcel Kochert

Worüber wurde lebhaft diskutiert?

So, wie die Fachstelle Kinderwelten es beschreibt, dass Armut eine Form der Diskriminierung ist und tabuisiert wird, wurde es auch von den Teilnehmenden des Workshops wahrgenommen. Die Teilnehmer*innen erklärten die Aussage „Armut ist Diskriminierung“ sowohl im gesellschaftspolitischen Diskurs als auch im Alltag pädagogischer Einrichtungen für gültig. Personen, die z.B. als Erzieher*in arbeiten und alleinerziehend sind, kennen selbst prekäre Lebensbedingungen. Einerseits steht der Bildungsauftrag im Raum und Heranwachsende sollen sich dem Thema öffnen können und Materialien zur Verfügung gestellt bekommen, um sich mit Klassismus und Armut sowie sozialer Ausgrenzung austauschen zu können. Zu paradoxen oder verunsichernden Momenten kann es dann kommen, wenn pädagogische Fachkräfte selbst mit Existenzängsten umgehen müssen und z.B. in einer Kita arbeiten, die primär von Kindern aus einkommensstarken Familien besucht werden. Wie kann und soll hier über Armut diskutiert werden? In Einrichtungen, die von vielen Kindern besucht werden, deren Familien bspw. von Transferleistungen leben, ist die Frage, wie Kinder empowert werden können.

Welche Erkenntnisse wurden gewonnen?

Durch den hohen Bedarf an Materialen zum Thema Armut wurde der Wunsch deutlich, über Medien wie Bücher häufiger aktiv über das Thema „Armut“ ins Gespräch kommen zu können als bisher. Die Bildung zu diesem Thema sollte für alle Kinder, gleich ob aus einkommensstarken oder -schwachen Familien, zugänglich gemacht werden.
Weiterhin wurde deutlich, dass viele der zur Verfügung stehenden Bücher selbst diskriminierende Inhalte reproduzieren, dass das Phänomen „Armut“ nicht explizit gemacht wird und tendenziell an der Oberfläche verbleibt. Folglich wurden seitens der Teilnehmer*innen neue Kinderbücher entdeckt und gleichzeitig der Bedarf an weiteren Büchern festgestellt.

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